Borix, der Borkenkäfer

Viele Köche verderben den Brei. Nicht.

Foto: LPA/Manuela Tessaro

Das Büchlein über den Borkenkäfer, das bei der gestrigen Pressekonferenz im Pressesaal des Landhauses 1 vorgestellt wurde, ist die Ausnahme von der Regel.

Für mich das erste Projekt für ein Landesamt und eine sehr interessante Erfahrung.

Einmal, weil ich es als Autorin natürlich gewohnt bin, allein zu arbeiten. Es gibt immer eine Lektorin, die mir den größten Unsinn austreibt, aber im Großen und Ganzen ist das „mein“ Projekt.

An “Borix” waren viele Menschen beteiligt, die wirklich darauf bedacht waren, das Beste aus der Grundidee zu machen, die ich Ihnen hier kurz vorstellen will.

Foto: LPA/Manuela Tessaro

Die Ausgangsidee war, dass die Schulen ein Material in die Hand bekommen, das motivierend für Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen 9 und 13 Jahren ist. Wir sollten die Rolle des Borkenkäfers im Naturkreislauf vermitteln und wie sich seine rasante Vermehrung auf die Umwelt und Zivilisation auswirkt.

Das Buch sollte die eigenständige Auseinandersetzung ermöglichen, aber auch im Klassenverband einsetzbar sein.

Renate Felderer – auch sie eine Kinderbuchautorin – und ich haben darüber nachgedacht, wie man das Thema des Borkenkäfers so in Buchform bringen könnte, dass es nicht nur motivierend ist, sondern auch Anlass zu einem kritischen Zugang bietet.

Unsere Lösung war ein interaktives Buch, nach dem Vorbild zu „Die Insel der tausend Gefahren“, ein sogenanntes „Spielbuch“, bei dem die Lesenden durch ihre Entscheidungen selbst Einfluss auf die Handlung nehmen können.

Warum so etwas?

Als ehemalige Lehrerin weiß ich, dass diese Spielbücher für alle Kinder höchst motivierend sind, vor allem leseschwächere Schüler:innen finden dadurch oft einen Zugang zum Lesen.

Die Kinder beschäftigen sich nicht nur rezeptiv mit dem Text, sondern werden zum Handeln aufgefordert. Um Entscheidungen zu treffen, muss man sich mit der Materie auseinandergesetzt haben. Auch wenn das nicht der Fall ist, kommt man über Versuch und Irrtum irgendwann zur richtigen Antwort, hat sich dann aber aktiv mit dem Stoff beschäftigt.

Der spielerische Charakter so eines „Du-entscheidest-selbst-Buchs“ bereitet den Boden für die Bereitschaft des Lesenden, sich mit dem Borkenkäfer auseinanderzusetzen. Es kommt der Vorliebe für Computerspiele entgegen, die in dieser Altersgruppe zu beobachten ist, und ist aber gleichzeitig ein Buch.

Lernen funktioniert nicht linear. Auch diesem Umstand wird in so einem Spielebuch Folge geleistet. Die Lesenden können in der Handlung vor- und zurückspringen und sich damit so lange mit einer Thematik beschäftigen, bis sie sie durchdrungen haben.

Letztlich gefiel uns das Bild der vielzähligen Gänge, die die Buchdruckerkäfer unter die Rinden graben – weit verzweigte Kunstwerke, die wie Labyrinthe anmuten. Labyrinthe haben auf Kinder eine magische Anziehungskraft. Daher war es in unseren Augen naheliegend, dass wir die Eigenschaft des Labyrinths – nämlich, dass man sich entscheiden muss, in welche Richtung man geht – für dieses Buch übernehmen.

Für mich selbst war diese Arbeit ebenfalls mit vielen Lernprozessen verbunden. Die Auswirkungen des Borkenkäfers und wie sehr das Kinder beschäftigt, hatte ich gerade kurz davor selbst zum ersten Mal bewusst bei einem Schulprojekt erfahren. Daher war ich sehr interessiert daran, mehr über diesen Winzling zu erfahren, der unsere Wälder zerstört.

Besonders schön fand ich in diesem Prozess den Nachmittag im Amt für Forstwirtschaft. Alessandro Andriolo explodierte vor Wissen und ich schaffte es kaum, all die interessanten Informationen niederzuschreiben, die aus ihm nur so herausgeronnen sind. Als Abschiesgeschenk habe ich ein Stück Borke von ihm bekommen, in das ein Buchdrucker sein typisches Gängesystem geknabbert hatte … Das hat noch immer einen besonderen Platz über meinem Schreibtisch.

Jetzt ist das Buch also da.

Ich freue mich sehr, dass so viele Schulen das Material bestellt haben (beinahe 12.000 Hefte wurden vorbestellt) und dass Schülerinnen und Schüler aller in Südtirol lebenden Sprachgruppen in diesem Schuljahr damit arbeiten werden. In Zusammenarbeit mit den Bibliotheken wird das Amt für Forstwirtschaft Aktionen für Schulen anbieten. Försterinnen werden den Kindern Rede und Antwort stehen und das Wissen aus dem Buch vertiefen.

Darüber hinaus ist das Buch in Naturparkhäusern und Museen erhältlich und wird so wirklich für jeden zugänglich sein.

Wer hätte das gedacht? Mein auflagenstärkstes Buch bisher ist ein Buch über den Borkenkäfer. Noch dazu das einzige Buch bisher, das in drei Sprachen übersetzt wurde ;-)

Ich bin stolz darauf, Teil dieses Projekts zu sein und möchte mich hiermit beim Presseamt des Landes und beim Amt für Forstwirtschaft für die gelungene Zusammenarbeit bedanken.

Zum Artikel des Landespresseamts

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